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1920-1929
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Aufbau im Schatten von Krise und Inflation

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Dr. Otto Röhm und Otto Haas wandelten ihre Firma Röhm & Haas, Darmstadt, in eine Aktiengesellschaft um. Hauptaktionäre wurden die beiden Firmengründer. Hintergrund der Umwandlung waren erfolgversprechende Versuchsergebnisse in der unternehmenseigenen Enzymforschung, für deren wirtschaftliche Nutzung frisches Kapital akquiriert werden sollte.

Die Bayerische Stickstoffwerke AG (BStW) baute ein drittes Wasserkraftwerk an der Alz, einem Nebenfluss des Inn. Außerdem entstand eine neue Carbidfabrik in Hart/Alz. Carbid ist ein Ausgangsstoff bei der Herstellung von Kalkstickstoff, einem Düngemittel, das die BStW in dieser Zeit bereits in großen Mengen produzierte. Im gleichen Jahr wurde die reichseigene Bayerischen Kraftwerke AG (BKW) mit Sitz in Berlin, gegründet, in deren Besitz beide Anlagen übergingen. 1923 kam die BKW zur ebenfalls reichseigenen Vereinigte Industrie-Unternehmungen AG (VIAG), Berlin.

Die Mitarbeiter der Deutschen Gold- und Silber Scheideanstalt in Frankfurt wählten ihren ersten Betriebsrat. Ihm gehörten vier Arbeiter- und vier Angestelltenvertreter an.

1921

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Durch den Kauf von zwei Unternehmen, die Elektrochemische Fabrik Neufeldt & Kuhnke, Kiel, und die Chemische Fabrik Buckau in Ammendorf bei Halle/Saale, wurde die Goldschmidt AG zum Konzern. Der Kauf der 1841 in Magdeburg gegründeten Chemische Fabrik Buckau bedeutete für Goldschmidt einen strategischen Schritt zur Großchemie.

Der Erwerb der Elektrochemischen Fabrik Neufeldt & Kuhnke sollte der Diversifizierung und Risikostreuung dienen. Das Unternehmen war 1899 gegründet worden und stieg vor und während des Ersten Weltkriegs zu einem bedeutenden Lieferanten von Marinetechnik auf. Nach dem Ersten Weltkrieg geriet Neufeldt & Kuhnke unter starken wirtschaftlichen Druck. Auch die Fertigung moderner ziviler Produkte, wie beispielsweise Dieselmotoren, Radiogeräte und Telefone, konnte den Niedergang nicht stoppen. 1936 erfolgte unter Goldschmidt-Ägide die Umfirmierung in den bekannteren Namen Hagenuk (für Hanseatische Apparatebau Gesellschaft Neufeld und Kuhnke). Die Hagenuk wurde nie im eigentlichen Sinne in den Goldschmidt-Konzern integriert. Die Konsequenz war 1979 der Verkauf des Unternehmens an die Kieler Howaldswerke.

1922

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Der polnische Staat beschlagnahmte das Kalkstickstoffwerk Chorzow (Oberschlesien), das von der Bayerische Stickstoffwerke AG gebaut worden war und der reichseigenen Oberschlesische Stickstoffwerke AG (OStW) gehörte. Die Reichsregierung stellte darauf hin Mittel zur Vergrößerung der verbliebenen Anlagen in Trostberg und Hart zur Verfügung, um den Produktionsausfall ausgleichen zu können. In den Jahren bis 1928 folgte in den Werken Hart und Trostberg der mittlerweile dritte Ausbau der Fertigungsanlagen.

Die Röhm & Haas AG in Darmstadt richtete erstmals einen Wohlfahrtsfonds ein, der die Mitarbeiter in besonderen Notfällen unterstützen sollte.

1923

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Wachablösung bei der Goldschmidt AG in Essen: Theo Goldschmidt übernahm Anfang des Jahres von seinem Vater Karl Goldschmidt die Position des Vorstandsvorsitzenden. Der Wechsel erfolgte in stürmischer Zeit. Im Januar 1923 besetzten französische und belgische Truppen das Ruhrgebiet. Die Reichsregierung rief die Bevölkerung daraufhin zum passiven Widerstand auf. Ein schwerer Schlag für das Unternehmen. Denn obwohl das Werk in Essen nicht besetzt wurde, kam die Produktion durch Mangel an Rohstoffen und Transportmöglichkeiten nahezu ganz zum Erliegen.

Aus Rationalisierungsgründen beschloss die Reichsregierung die Gründung der Vereinigten Industrie-Unternehmungen Aktiengesellschaft (VIAG AG). Unter das Dach der neugegründeten AG kam auch die Bayerischen Kraftwerke AG.

1924

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Die Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt, Frankfurt, richtete erstmals eine eigene Lehrlingsausbildung ein.

Im gleichen Jahr begann die Scheideanstalt, sich mit der Metallhärtung zu befassen. Aus dem ursprünglich reinen Vertrieb der Durferrit®-Härtepulver der Chemischen Fabrik Stobwasser & Co. aus Bergedorf bei Hamburg entstanden nach dem Erwerb einer eigenen Fertigungslizenz bedeutende neue Geschäftsfelder, so zum Beispiel der Industrieofenbau. Diese Geschäftsfelder wurden in den 1990er Jahren sukzessive verkauft.

1926

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Die Th. Goldschmidt AG begann mit der Herstellung von hochdispersen Bleioxyden, sogenannten Bleimennigen, als Zusatzstoffe für Rostschutzfarben. Ein großer Vorteil dieser streichfähigen Bleimennige lag darin, dass die Anstreicher sie vor der Verwendung nicht mehr anrühren mussten und so keinen gesundheitsschädlichen Lösungsmitteldämpfen ausgesetzt waren.

1927

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Die von Friedrich Bergius bei der Th. Goldschmidt AG begründete Äthylen-Forschung brachte als erste Erfolgsprodukte Emulgatoren hervor, die unter den Namen Tegin® oder Protegin® bis heute im Geschäftsfeld Chemie der Evonik Industries hergestellt werden. Emulgatoren dienen vor allem der Vermischung von Wasser und Öl etwa in Cremes, Lotionen oder Spülmitteln.

1928

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Mit dem Patent für Methylmethacrylat gelang Röhm & Haas nach langjähriger Forschungsarbeit der Durchbruch auf dem Acrylat-, bzw. Methacrylatgebiet. Die Methacrylatchemie bildet das Kerngeschäft der heutigen Evonik Röhm GmbH, die zum Geschäftsfeld Chemie der Evonik Industries gehört. Im gleichen Jahr lief bei Röhm & Haas die Produktion von neuartigen Mehrschicht-Sicherheitsgläsern, LUGLAS® genannt, an. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs lief die Produktion von LUGLAS® bei Röhm & Haas aus. Mehrschichtige Sicherheitsgläser wurden in der Folgezeit unter Lizenz aber von anderen Firmen gefertigt.


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