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1940-1949
1940-1949


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Krieg, Zerstörung, beginnender Wiederaufbau

1940
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1949
1940

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Im Werk Marl lief die Buna-Produktion der Chemische Werke Hüls GmbH an. Zwei Jahre zuvor war das Unternehmen eigens zu diesem Zweck gegründet worden. Die Herstellung des synthetischen Kautschuks Buna war für den Vierjahresplan der nationalsozialistischen Führung von großer Wichtigkeit. Die Planung zielte darauf ab, die deutsche (Rüstungs-)Industrie von Importware, also auch von Naturkautschuk, unabhängig zu machen.

Die Th. Goldschmidt AG baute in Essen zwei neue Betriebe. Die Lagergießerei und der neue Leimfilmbau sollten vor allem die wachsende Nachfrage befriedigen, die mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges aufgekommen war. So fand der Leimfilm zur trockenen Verleimung von Schichtholz bei der Fertigung von Gewehrkolben oder im Flugzeugbau Verwendung. Die so präparierten Hölzer waren ein ideales Ersatzprodukt für knapp werdende Leichtmetalle. Zwei Jahre später sorgte das sogenannte „Jäger-Programm" der Luftwaffe für einen weiter steigenden Bedarf nach Leimfilm, so dass im 1934 erworbenen Werk Schöppenstedt bei Salzgitter eine zusätzliche Fertigungsanlage in Betrieb ging. Ab 1940 beschäftigte die Th. Goldschmidt AG zunehmend Zwangsarbeiter. Die Zwangsarbeiter kamen unter anderem aus Polen, Belgien, Frankreich und der Sowjetunion. Alle Evonik-Vorgänger haben Zwangsarbeiter beschäftigt – nach unserem heutigen Wissensstand beschäftigte Hüls bis zu 6.000, Degussa 10.000, Röhm 1.000 und Goldschmidt 500 Zwangsarbeiter. Die Zahlen der SKW sind nicht nachgewiesen, bewegen sich aber vermutlich im Durchschnitt der chemischen Industrie von ca. einem Drittel der Belegschaft, dies entspräche ca. 600 Zwangsarbeitern.

1941

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Ab September 1941 wurde das Giftgas Zyklon B in den Gaskammern der Vernichtungslager eingesetzt. Das Gas Cyclon wurde im Ersten Weltkrieg zur Schädlingsbekämpfung z.B. in Soldatenunterkünften entwickelt. Die Tochterfirma der vormaligen Degussa, die Degesch – Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung – hatte 1922 ein Verfahren erworben, mit dem dieses hochgiftige Gas in baumwollartigen Kügelchen aufgefangen werden konnte. Bei Kontakt mit Luft entstand das Endprodukt Zyklon B. Auch in diesem Fall ist nicht nachweisbar, ob die Degussa-Manager von dem Einsatz zur Massenvernichtung in Konzentrationslagern wussten. Der Geschäftsführer der Degesch ab 1939, Dr. Gerhard Peters, wurde nach dem Krieg zu einer Zuchthausstrafe verurteilt, aber 1955 in einem Wiederaufnahmeprozess freigesprochen. Die Vorstände der vormaligen Degussa wie auch der anderen Vorgängerunternehmen wurden niemals angeklagt. Sie haben stets geleugnet, etwas von den Verbrechen der Nationalsozialisten gewusst zu haben (vgl. dazu auch „Degussa in der NS-Zeit“)

1942

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Die Röhm & Haas GmbH kaufte ein 86.000 qm großes Grundstück in Worms und begann mit dem Aufbau eines Rohstoffwerkes, das Vorprodukte für die PLEXIGLAS® Produktion im Werk Darmstadt herstellen sollte. Die Bauarbeiten machten zunächst gute Fortschritte, wurden dann aber stark beeinträchtigt durch Angriffe alliierter Bomber in den Jahren 1943 und 1944. Schließlich kamen die Arbeiten ganz zum Erliegen. Das Werk blieb eine Baustelle, die geplante Produktion konnte nicht beginnen. 1946 wurden das Gelände und die darauf befindlichen Gebäude von der französischen Besatzungsmacht beschlagnahmt. Erst nach Freigabe der Anlagen 1955 konnte die Produktion im Werk Worms aufgenommen werden.

In Marl waren nur zwei Jahre nach Produktionsbeginn bereits rund 2.000 neue Mitarbeiter mit ihren Familien zum Standort der Chemischen Werke Hüls gezogen. Sie kamen vorwiegend aus dem I.G. Farben-Werk Ludwigshafen. Die Versorgung der Menschen unter Kriegsbedingungen war ein Problem. Die Geschäftsleitung ließ als Konsequenz zwei Agrarbetriebe für die Versorgung der Mitarbeiter bewirtschaften.

1943

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Nach den ersten schweren Bombenschäden in Essen im Mai des Jahres beschloss die Goldschmidt AG, ihre kriegswichtigen Produktionen auszulagern. In Ammendorf bei Halle errichtete das Unternehmen eine Produktion für Leimfilm, Thermit und Emulgatoren. Ein weiteres Werk war in Reichenbach/Schlesien geplant. Die nahezu fertig gestellten Anlagen in Reichenbach wurden jedoch im Februar 1945 von der Roten Armee besetzt, ohne je produziert zu haben.

Auch das Werk Marl der Chemische Werke Hüls GmbH wurde Ziel schwerer alliierten Luftangriffe. Die Buna-Produktion konnte aber zunächst weiter betrieben werden.

1944

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Mit einer Kapazität von zehn Tonnen pro Monat begann im Degussa-Werk Rheinfelden die Produktion der pyrogenen Kieselsäure AEROSIL®. Ihre Herstellung war erstmals dem Degussa-Chemiker Harry Kloepfer 1942 gelungen. AEROSIL® ist aufgrund seiner außerordentlichen physikalisch-chemischen Eigenschaften in so verschiedenen Bereichen wie der Pharmazie und Kosmetik, der Farben- und Lackindustrie, bei der Herstellung von Kunststoffen, Harzen und Klebstoffen, in der Reifen- und Gummiindustrie sowie als Entschäumerkomponente in Mineralölen einsetzbar. Es gehört bis heute zu den erfolgreichsten Produkten des Geschäftsfeldes Chemie im Evonik-Konzern.

Der verheerende Luftangriff auf Frankfurt am Main am Abend des 22. März führte zum jähen Abbruch der Produktion im Degussa-Werk in der Frankfurter Innenstadt. Das Gebäude der Hauptverwaltung auf dem heutigen Standort Frankfurt wurde ebenfalls schwer getroffen. Die über Nacht obdachlos gewordenen Abteilungen kamen zunächst in Wächtersbach sowie innerhalb Frankfurts und in weniger betroffenen auswärtigen Degussa-Standorten unter. Die gesamte Forschung wurde nach Konstanz verlegt. Erst 1949 kam sie wieder zurück. Aus Sicherheitsgründen hatte man bereits 1943 die Buchhaltung und alle Buchhaltungsunterlagen nach Idstein im Taunus ausgelagert.

Schwere Luftangriffe im September des Jahres brachten auch die Produktion der Röhm & Haas GmbH in Darmstadt zum Erliegen. Nach weiteren kleineren Angriffen waren 80 Prozent der Fabrik zerstört.

1945

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Mit der Einnahme Deutschlands durch die alliierten Streitkräfte kam die Produktion in allen Werken der vormaligen Degussa zum Stillstand. Das für das Unternehmen so wichtige Werk der Aktivsauerstoffchemie in Rheinfelden nahe der Schweizer Grenze war unversehrt geblieben, doch ging die Wasserstoffperoxid-Anlage aufgrund der Demontagebestimmungen verloren. Neben den Zerstörungen, dem Verlust des gesamten Auslandsvermögens und aller in Mittel- und Ostdeutschland gelegenen Werke und Beteiligungen verlor die Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt auch große Teile ihrer Edelmetallbestände.

Dem Werk der Chemische Werke Hüls GmbH in Marl, das vor allem im Jahr 1943 durch Bombenangriffe schwer beschädigt worden war, drohte vor dem Einmarsch der Amerikaner die Sprengung, die allerdings noch verhindert werden konnte. Schon bald nach Kriegsende lief die Buna-Produktion in der nunmehr britischen Besatzungszone mit einer Sondergenehmigung wieder an. Gleichzeitig war deutlich geworden, dass das Unternehmen für seinen Fortbestand eine neue Produktionsgrundlage schaffen musste. Dazu wurde eine neue Abteilung eingerichtet, die „Anwendungstechnische Abteilung“, die bei der Umstellung auf eine Friedensproduktion beriet und den Markt sondierte.

Die Schäden an den Werksanlagen der Süddeutsche Kalkstickstoff-Werke AG waren bei Kriegsende insgesamt gering; aber eine Fliegerbombe schlug als Volltreffer im Pförtnerhaus ein und forderte 16 Todesopfer. Ab Mai 1945 bis zum Jahresende stand die Produktion fast vollständig still. Das Unternehmen wurde unter Treuhänderverwaltung gestellt und blieb bis 1949 unter US-Kontrolle. In der Folgezeit erweiterte die SKW ihr Produktprogramm, das auf Spezialchemikalien setzte. Zielgruppen waren die Pharmaindustrie, die Agrochemie sowie die Lack-, Farben- und Kunststoffindustrie.

In allen Goldschmidt-Werken ruhte bei Kriegsende die Produktion aufgrund von Zerstörungen oder Materialmangel. Das Essener Stammwerk war zu 85 Prozent zerstört, der Wiederaufbau kam einem Neubau gleich. Dennoch lief bereits 1945 eine bescheidene Produktion von Hautcremes wieder an, die am Werkstor verkauft wurden. Das Werk Mannheim-Rheinau blieb vergleichsweise intakt, doch gestaltete sich der Kontakt mit Essen schwierig, da Mannheim in der französischen Zone lag. Auch Ammendorf bei Halle war nur wenig zerstört, doch wurde das Werk 1946 wie auch die weiteren Goldschmidt-Beteiligungen in der späteren DDR entschädigungslos enteignet.

Otto Röhm, der Sohn des Firmen-Mitgründers Dr. Otto Röhm, kehrte aus der Schweiz nach Deutschland zurück und trat im Juni in die Geschäftsführung der Röhm & Haas GmbH ein. Im Oktober erhielt die Firma von der US-Militärregierung eine erste Produktionsgenehmigung. 1946 kamen die Fertigungen von OROPON® und BURNUS® wieder in Gang, 1947 konnte auch die Herstellung von PLEXIGLAS® in zunächst kleinen Mengen wieder aufgenommen werden. Das Zweigwerk in Mittenwalde bei Berlin ging auf Grund von Besetzung und anschließender Demontage durch die sowjetische Besatzung verloren. Die französische Besatzungsmacht beschlagnahmte 1946 das Werk Worms. Zudem verlor die Röhm & Haas GmbH ihre ausländischen Beteiligungen.

1946

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Die Süddeutsche Kalkstickstoff-Werke AG nahm die Produktion von Carbid (im Werk Hart) und Kalkstickstoff wieder auf. Im Werk Trostberg begannen Versuche zur Granulierung von Kalkstickstoff, und eine Anlage zur Erzeugung von geperltem Kalkstickstoff (PERLKA®) entstand. Der Vorteil des geperlten Kalkstickstoffs, der bis heute hergestellt wird, ist die arbeitssparende und staubarme Aufbringung auf die Felder.

1947

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Die Chemische Werke Hüls AG begann im Werk Marl mit dem Bau einer PVC-Anlage nach dem Emulsionsverfahren. Sie ging 1949 in Betrieb. Damit sollte die Umstellung auf eine zivile Produktion vorangetrieben werden. Die Neuausrichtung der Produktpalette konnte jedoch nicht verhindern, dass eine große Zahl von Beschäftigten entlassen werden musste.

1948

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In den Betrieben der Süddeutsche Kalkstickstoff-Werke AG begannen umfangreiche Modernisierungs- und Rationalisierungsmaßnahmen, die bis Ende der 1950er Jahre andauerten. Im Kalkwerk Saal wurden alle Schachtöfen erneuert. Die bislang eingesetzten Dampflokomotiven wurden durch Dieselloks ersetzt. In der Carbidfabrik Hart traten moderne Fertigungsanlagen an die Stelle der über 30 Jahre alten Carbidöfen. Das bisher ungenutzte Carbidofengas wurde nun über eine neue Absauganlage gewonnen und durch eine CO-Gasleitung nach Schalchen und Trostberg zur Weiterverwertung geleitet. Die Kapazität der Kalkstickstofferzeugung wurde wesentlich erhöht.

1949

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Die Scheideanstalt nahm im Werk Konstanz die Produktion von Methionin nach dem Sulfatverfahren auf. Die Aminosäure Methionin war zunächst für die Humanmedizin bestimmt und zur wirksamen Behandlung der in Deutschland weit verbreiteten Hungerödeme gedacht. Schon bald fand sie auch als Futtermitteladditiv zur Verbesserung der Eiweißqualität in Tierfutter ein weites Anwendungsgebiet. Heute wird Methionin in den Werken Wesseling bei Köln, Antwerpen und Mobile, Alabama/USA hergestellt.

Die Kontrolle über die Süddeutsche Kalkstickstoff-Werke AG ging von der amerikanischen Besatzungsmacht auf das Bayerische Landesamt für Vermögensverwaltung und Wiedergutmachung über, das der SKW jedoch volle Handlungsfreiheit gewährte. Bereits ein Jahr später endete diese Kontrolle auf Anordnung der Militärregierung und Vorstand und Aufsichtsrat konnten sich konstituieren. 1951 schließlich wurden die letzten Verbote und Beschränkungen durch die Alliierte Hohe Kommission aufgehoben.


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